Jesus ist unglaublich. Unglaublich geduldig! Er hat mir so lange beim Zaudern zugesehen. Ein nicht göttlicher Mensch hätte längst Muskelkater vom Ausstrecken der Hand bekommen. Aber nicht Jesus!
Ich glaube, der Gang übers Wasser hat viel damit zu tun, vermeintlichen Schutz hinter sich zu lassen und sich der einzig wahren Sicherheit im Herrn anzuvertrauen. Bei mir bedeutete der Schritt aus dem Boot in erster Linie, dass ich meine Unsicherheiten vor anderen zugeben musste. Das kann ich gar nicht gut. Ich tu gern so, als ob ich mit allem, was das Leben so an mich heranträgt, zurechtkomme. Ich beiße mich durch, leide still vor mich hin und jammere höchstens bei ein paar Freunden, die mit dem, was mich quält, nichts zu tun haben. Das liegt auch daran, dass ich es hasse, mich zu beklagen. Ich will belastbar sein. Ich will niemandem das Gefühl geben, er sei daran Schuld, wenn es mir nicht gut geht. Also ein Dilemma: Entweder bin ich schlecht, weil ich nicht belastbar bin, oder jemand anders ist schlecht, weil er/sie mir was zumutet, das unerträglich ist. Entweder das Boot geht unter, weil es schlecht gebaut ist, oder weil ich zu schwer bin.
Aber wie immer kennt Jesus einen dritten Weg. Den übers Wasser. Ich zeige, wie ich mich fühle. Das ist keine Schuldzuweisung an irgendwen. Es ermöglicht anderen, auf mich einzugehen. Mich wirklich kennenzulernen. Mir zu helfen. Es ermöglicht mir selbst, ehrlich zu sein und aus meiner Not herauszufinden.
So geschehen im Gespräch mit meinem Ausbildungsleiter, der mich für arrogant hielt und nun weiß, wie verunsichert ich war – mir konkrete Hilfe anbietet, mich ermutigt und freundlich zu mir ist. Vor dem ich nun keine Angst mehr haben muss (und was ist das für ein schreckliches Gefühl, jeden Tag auf der Arbeit mit einem zu tun zu haben, vor dem man Angst hat!). Bei Jesus gibt es keine Angst mehr. Seit ich auf dem Wasser stehe und er meine Hand hält, fühlt mein Leben sich wieder gut an. Ich hab zwar ein bisschen nasse Füße, aber das Ufer ist in Sicht.